Eine Hauptradroute, die diesen Namen endlich verdient
Wer bisher mit dem Rad vom Gürtel zum Donaukanal wollte und dabei den Weg quer durch den Alsergrund nahm, kennt das Problem: schmale Mehrzweckstreifen, knappe Überholmanöver, und im stadteinwärtigen Abschnitt der Fuchsthallergasse sogar Mischverkehr mit dem motorisierten Verkehr. Eine der wichtigsten Querverbindungen im 9. Bezirk – offiziell Teil des Wiener Hauptradverkehrsnetzes – hatte über Jahre eine Infrastruktur, die ihrer Bedeutung schlicht nicht entsprach. Wissenschafter:innen der TU Wien haben erhoben, dass diese Verbindung zu jenen Radwegen mit dem höchsten Potential für das Radwegenetz der Stadt gehört. In einer Prioritätenliste von 36 Projekten in ganz Wien lag diese Hauptradroute unter den ersten 10. Ein Hauptgrund dafür ist die Friedensbrücke – eine der wenigen möglichen Querungen des Donaukanals.
Damit ist seit Mitte Dezember 2025 Schluss. Mit der offiziellen Eröffnung am 15. Dezember 2025 wurde nicht nur der frisch begrünte Julius-Tandler-Platz übergeben, sondern auch eine durchgehend baulich getrennte Radverbindung von rund 1,2 Kilometern Länge. Sie verbindet den Währinger Gürtel (U6 Währinger Straße, oder weiter mit dem Rad über den Radweg Schulgasse oder Gürtelradweg) mit der Friedensbrücke am Donaukanal (U4, oder weiter mit dem Rad den Donaukanal entlang) – quer durch den Alsergrund.
Wir sind die Strecke abgefahren und zeigen dir, was wirklich neu ist, wo der Radweg überzeugt – und wo es im Alltag noch hakt.

Alle Eckdaten auf einen Blick
| Gesamtlänge | rund 1,2 Kilometer |
| Verbindung | Währinger Gürtel (U6) ↔ Friedensbrücke / Donaukanal (U4) |
| Offizielle Eröffnung | 15. Dezember 2025 |
| Status im Radnetz | Lückenschluss im Wiener Hauptradverkehrsnetz |
| Neue Grünflächen entlang der Strecke | rund 300 m² (zusätzlich zum Julius-Tandler-Platz) |
| Bauträger | Stadt Wien (MA 28, MA 19) |
| Vorgängerinfrastruktur | Mehrzweckstreifen, teils Mischverkehr |
Die Strecke nach Abschnitten: Was hat sich geändert?
Die neue Verbindung gliedert sich in zwei Hauptabschnitte – Fuchsthallergasse im Westen und Alserbachstraße im Osten. Beide bekamen unterschiedliche Lösungen, weil die realen Platzverhältnisse jeweils andere sind. Außerdem durfte die Fuchsthallergasse schon früher in Betrieb gehen – ganz zur Freude der Radpendler:innen.
Fuchsthallergasse: Vom Gürtel bis zur Nußdorferstraße
Vorher: Stadtauswärts – also Richtung Volksoper – gab es bereits einen baulich getrennten Ein-Richtungs-Radweg. Wer stadteinwärts unterwegs war, fuhr im Mischverkehr mit Autos und Bussen.
Jetzt: Beidseitige, baulich getrennte Ein-Richtungs-Radwege. Der stadteinwärtige Abschnitt zwischen Lustkandlgasse und Nußdorfer Straße wurde 2024 errichtet, der Lückenschluss bis zum Währinger Gürtel im Sommer 2025 fertiggestellt. An den Kreuzungen wurden Gehsteigvorziehungen ergänzt – sie verkürzen die Querungswege für Fußgänger:innen und sollen die Sichtbeziehungen verbessern.
Alserbachstraße: Der Hauptabschnitt der neuen Verbindung
Vorher: Die Alserbachstraße war die heikelste Stelle der gesamten Route und eine der gefährlichsten Straßen der ganzen Stadt zum Radfahren. In beide Richtungen gab es nur schmale Mehrzweckstreifen, auf denen sich Radfahrende oft die Spur mit ungeduldigen Autofahrenden teilen mussten..
Jetzt: Die Neuerungen lassen sich am Besten in zwei Unterabschnitte gliedern:
- Unterabschnitt 1 – Spittelauer Lände bis Liechtensteinstraße: Auf der Seite der ungeraden Hausnummern – das ist die Seite des Bahnhofsvorplatzes – verläuft jetzt ein baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg. Das ist das Kernstück der neuen Verbindung.
- Unterabschnitt 2 – Liechtensteinstraße / Boltzmanngasse bis Nußdorfer Straße: Hier sind die Platzverhältnisse zu beengt – Markthalle, Straßenbahnhaltestellen und 40A-Bushaltestelle teilen sich den Raum. Statt eines Zwei-Richtungs-Radwegs gibt es deshalb auf beiden Seiten der Straße Ein-Richtungs-Radwege. Die 40A-Bushaltestelle stadtauswärts wurde von der Markthalle auf die Ecke Pfluggasse / Alserbachstraße verlegt.
Stimmen aus Bezirk und Land
Bei der offiziellen Eröffnung am 15. Dezember 2025 zeigten sich alle Beteiligten zufrieden. Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) bezeichnete den Julius-Tandler-Platz als neues Bezirkszentrum für alle und die Radverbindung als wichtigen Meilenstein für nachhaltige Mobilität im Alsergrund. Stv. Bezirksvorsteher Christian Sapetschnig hob den Gewinn für alle Verkehrsteilnehmenden hervor, die sich im Bezirk bewegen oder ihn durchqueren. Das Führungsduo am Alsergrund ist sichtlich erfreut über die Erfüllung eines ihrer Wahlversprechen.
„Der neue Hauptradweg“ hat seit einigen Wochen seine erste „Saison“, und ist insgesamt noch kein halbes Jahr in Betrieb. Radler:innen geben uns jetzt laufend Feedback. Viele freuen sich einfach nur über die gute Verbindung, und einige bringen konkrete Details für weitere Verbesserungen ein. Der neue Hauptradweg wird für uns im Bezirk eine dauerhafte Aufgabe bleiben, und ein Projekt, auf das wir stolz sind,“ so Christian Sapetschnig, der auch Vorsitzender der Verkehrskommission im Bezirk ist.
Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) zählte die Strecke zu ihren persönlichen Highlights aus der Wiener Radwegoffensive — und gab zu, die alte Route selbst gemieden zu haben. Selma Arapović betonte den städtebaulichen Wert für Bahnhofsankommende, die nun einen ansehnlicheren Stadtvorplatz vorfinden.

Unser Fahrtest: Wir haben uns den neuen Radweg selbst angeschaut
Vom Gürtel stadteinwärts eingebogen beginnt die Fahrt ruhig, was wohl daran liegt, dass man keinen großen Bus mehr im Augenwinkel erwarten muss oder von gestressten Autofahrer:innen den Hügel heruntergejagt wird.
Eingebogen auf die Alserbachstraße sind wir schnell vorne bei der Ecke Boltzmanngasse. Hier haben biegen wir nun auf die andere Straßenseite und fahren neben frisch gepflanzten Bäumen an der Hinterseite vom Liechtensteinpark vorüber. Auf diesem Abschnitt hat man sogar die Wahl: Weiter am Mehrzweckstreifen oder beruhigt auf den baulich getrennten Radweg.
Nach einer Verschnaufpause bei der Ampel geht es am frisch umgestalteten Julius-Tandler-Platz vorbei und wieder flankiert von Bäumen direkt zum Donaukanal.
Fazit: Endlich lässt sich der Alsergrund zwischen Donaukanal und Gürtel ohne latenter Lebensgefahr kreuzen. Was uns aber aufgefallen ist: Die Ampelschaltungen führen noch zu längeren Wartezeiten als vor dem Umbau. Um den Grund zu verstehen, braucht es auch kein Studium der Raumplanung, am Julius-Tandler-Platz sind die Radler:innen nun nicht mehr im Verkehr eingegliedert und müssen auf die Rechtsabbieger:innen warten. Auf Nachfrage erfahren wir aber, dass hier schon eine Evaluierung der Verbesserung der Ampelschaltungen aktuell läuft. Unterm Strich: Ja im Vergleich zum Mitfahren im gefährlichen Fließverkehr ist die Fahrt über den baulich getrennten Radweg ein wenig langsamer, dafür endlich ohne Angst und Stress. Damit können wir nun auch beruhigt nach Hause radeln…




